Menschen kann man nicht „zwischenlagern“

Der Landtagskandidat der CDU, Björn Fischer, fordert, dass alle Geflüchteten bis zum Asylentscheid in großen Aufnahmelagern verbleiben, weil es da ja Leerstand gibt und die Kommunen überfordert seien (der Harlinger berichtete).

Was soll das? Hier im Landkreis hat bisher keine Gemeinde signalisiert, dass sie überfordert ist, bei landkreisweit gut 700 geflüchteten Personen. Welche Leistungen genau von den Kommunen für Asylbewerber selber finanziert werden müssen, verschweigt Herr Fischer. Fakt ist, dass neben der üblichen Erstattung für Asylbewerber ohne Bescheid oder Anerkennung nach AsylLG, das Land ausreichend Gelder für Sprachkurse und Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen (FIM) zur Verfügung gestellt hat. Insbesondere letztere Mittel (FIM) kommen Geflüchteten noch ohne Asylbescheid zu gute. Die Pauschale, die das Land Niedersachsen pro Geflüchtetem an die Landkreise/Kommunen zahlt betrug unter CDU/FDP 6500€ und ist unter Rot-Grüner Landesregierung auf nunmehr 10.000€ ( im LK Wittmund 10.646€) pro Person erhöht worden, um die Kommunen zu entlasten und gleichzeitig die geflüchteten Menschen möglichst dezentral und damit menschenwürdig unterzubringen. Dazu kommen nun aktuell noch zusätzliche Gelder für die Kindergärten. Der positive Bescheid für den Landkreis wurde gerade durch Kultusministerin Frauke Heiligenstadt überreicht. (der Harlinger berichtete).

Wer auch nur ansatzweise Kontakt mit Geflüchteten hat, weiß, dass ein Ausharren in einer Lageratmosphäre für fast alle Geflüchteten zu den ganz schlimmen Fluchterfahrungen gehört. Einfach nur irgendwo rumsitzen und warten und Angst vor dem Ausgang haben, hält kein Mensch lange aus, ohne verrückt zu werden oder er radikalisiert. Die Menschen, die zu uns flüchten, tun dies alle aus Situationen heraus, die sie als lebensbedrohlich erlebt haben (unabhängig davon, was später als Asylgrund anerkannt wird oder nicht anerkannt wird). Und die Menschen mit ihrer Ängsten sollten wir respektieren und schützen genauso lange wie sie bei uns sind. Vor allem die Kinder brauchen möglichst viel Normalität mit Schule, Kindergarten, Sportvereinen. Und auch die Erwachsenen leiden unter isoliertem und schweigendem Warten. Aktivität – auch wenn sie ehrenamtlich ist, Austausch, möglichst auch Arbeit, bedeuten Würde und Respekt für die geflüchteten Erwachsenen. Ganz zu schweigen von Menschen mit Traumaerfahrungen. Für sie bedeuten enge Lagerbedingungen häufig die Gefahr von Traumaflashbacks (Wiedererleben eines Traumas). Menschen sind eben keine Kisten, die man zwischenlagern kann, Herr Fischer.

 

Moorweg, den 2.9. 2017

Ulrike Maus

Hintergrundinformationen

Sonderauswertung Kostenpauschale 2017-08-17

https://www.fluechtlinge.niedersachsen.de/startseite/koodinierung_fluechtlingsversorgung/fluechtlinge_niedersachsen/finanzierung_fluechtlingsversorgung/finanzierung-der-fluechtlingsversorgung-138474.html

 

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