Bündnis90 / Die GRÜNEN im Kreisverband Wittmund: Transparente und verlässliche Fahrpläne und Tarife im Busverkehr

Auf einer Tagung des GRÜNEN Kreisvorstands im Landkreis Wittmund vom 18. März waren die grünen Ziele und Maßnahmen für eine Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) im Landkreis zentrales Thema. Die Kreisvorstandssprecherin Anette Kraft sowie Eberhard Hoffmann, der im Vorstand für das Thema ÖPNV-Verbesserung verantwortlich ist, stellten eine ganze Reihe von Beispielen vor, wie unzuverlässig sowohl Tarife wie auch Fahrpläne im Busverkehr sind. So musste beispielsweise eine Familie aus Negenbargen erleben: Der Sohn besucht die Grundschule und ist Selbstzahler einer Schülermonatskarte (bisher 28,40 Euro/mtl.). Der Fahrtpreis wurde um 42% auf nun 40,50,- Euro monatlich angehoben, da die Bushaltestelle nun angeblich in einer anderen Tarifzone liegt (physikalisch ist die Haltestelle immer noch am selben Platz). Völlig unklar ist auch nach Anfrage bei der Verkehrsregion Nahverkehr Ems-Jade, wo eigentlich ÖPNV Nutzer die Tarifzonen einsehen und möglichst auch „entschlüsseln“ können.

Ein anderes Beispiel: Eine Frau aus Altharlingersiel, die mit dem Bus zum Arzt nach Bensersiel (Lammertshörn) wollte. Sie ist keine Internet-Nutzerin. Und da der Fahrplan an ihrer nächstgelegenen Haltestelle zumindest unklar ist, fragte sie telefonisch beim Busunternehmen an, ob die Linie 363 auch in Lammertshörn hielte. Dies wurde am Telefon bejaht – auf Nachfrage beim Busunternehmen wohl ein Missverständnis. Kann passieren, aber wieso sind die Fahrpläne nicht so transparent, dass jede und jeder sie lesen kann? Eberhard Hoffmann: „Ich habe zahlreiche Hinweise von Bürgern aus unserem Landkreis, dass Busse manchmal selbst an den ausgewiesenen Haltestellen nicht halten, z.B. weil ein Schüler, der üblicherweise dort als einziger aussteigt, gerade krank ist. Der Passagier, der einsteigen wollte staunte über den vorbeifahrenden Bus. Und selbst habe ich am Montag versucht von Esens ZOB nach Moorweg zu fahren. Der Bus der Linie 365 war deutlich ausgeschrieben für Start- und Zielhaltestelle. Abfahrt um 9.59 Uhr (siehe Bild). Nur: Zu dieser Zeit fährt dieser Bus nicht, sprich: es gibt ihn nicht – obwohl er im Fahrplan von Edzards-Reisen deutlich drinsteht. Er fährt erst (auch fahrplanmäßig) um 11:35 Uhr. Und, ebenfalls eigenes Erleben: selbst offiziell angekündigte Busse im Schienenersatzverkehr fahren nicht immer, Nachfragen beim verantwortlichen Busunternehmer verlaufen im Sande.“

 

Die GRÜNEN im Landkreis Wittmund werden sich für ein neues Nahverkehrskonzept stark machen. Dieses muss die Verpflichtung für die Busunternehmer enthalten, transparente und verlässliche Fahrpläne und Tarife zu veröffentlichen, sowohl an den Haltestellen wie auch im Internet bzw. in einer Smartphone App. Wenn der Verkehrsverbund Ems-Jade (VEJ-Bus) als Zusammenschluss der Busunternehmer und die Verkehrsregion Nahverkehr Ems-Jade (VEJ) als Zusammenschluss der Aufgabenträger, also der Kommunen in unserer Region dazu nicht in der Lage sind, müsse im Landkreis auch über andere Strukturen nachgedacht werden, betonen Anette Kraft und Dr. Arendt Hindriksen als Sprecher des Kreisvorstands.

Längst arbeiten auch die GRÜNEN Kreisverbände der gesamten ostfriesischen Halbinsel auf ihren Mobilitätskonferenzen (der Anzeiger berichtete) an modernen Konzepten für den Nahverkehr. Für den Nahverkehrsplan im Landkreis Wittmund werden die GRÜNEN darüber hinaus Forderungen und Vorschläge zu barrierefreien Einstiegen, Haupt-Buslinien mit regelmäßiger Taktung, Fahrradstationen an Bahnhöfen sowie Carpool-Systemen einbringen. Mittelfristig solle auch über fahrscheinlosen ÖPNV oder eTickets, sowie den Einsatz von Anruftaxis und Kleinbussen nachgedacht werden. Aber als erste Schritte – so das Fazit der Kreisvorstandstagung – muss Busfahren einfacher, günstiger und besser werden, statt immer wieder ein Buch mit sieben Siegeln darzustellen!

 

 

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1 Kommentar

  1. Jan

    Aus der Großstadt kommend, war es mir nie klar, warum der öffentliche Nahverkehr in dieser Region so nachlässig behandelt und wenig unterstützt wird. Meine Versuche, die wenigen angebotenen Verbindungen zu nutzen, beinhalteten folgende Erfahrungen:
    – Vor Fahrtantritt benötigt man Vertrauen in einen nicht zu hohen Fahrpreis, denn eine verlässliche Information darüber wird nicht geliefert. Zum Glück waren die Fahrpreise bisher immer moderat.
    – Mal wurde meine BahnCard anerkannt, mal nicht. Das hing nicht nur vom fahrenden Unternehmen ab, sondern auch vom KnowHow der Fahrer.
    – Die Busse fahren nicht nur manchmal zu spät, sondern auch zu früh. Das kann dann, wenn eine Verbindung nur vier Mal täglich besteht, unangenehme Folgen haben.

    Also, liebe Grüne, das ist ein wichtiges Thema für unsere Region und ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Umsetzung Ihrer Vorhaben.

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