Landvolk schafft Verwirrung statt sinnvolle Lösungen zu fordern

Christian Meyer zu Besuch beim Uelkenhof

Die sich ständig wiederholenden Verwechslungen bei Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten in Kombination mit reflexartigem Draufschlagen auf Landwirtschaftsminister Meyer durch Vertreter und Funktionäre des Landvolkes verwundern schon sehr. Vor wenigen Tagen konnte dies zum Thema „Düngeverordnung“ und aktuell zum „Höfesterben und Milchpreis“ beobachtet werden. Demnach scheint unser Landwirtschaftsminister Christian Meyer für alles und jedes zuständig zu sein (schön wär´s). „Diese Verwechslungen -unwissentlich oder willentlich- sind nicht hilfreich für eine sachliche Diskussion“ so Ulli Maus GRÜNE KV-Sprecherin „und sachliche Diskussion ist dringend nötig um u.a. Lösungen für einen Einkommenseinbruch der Milchviehhalter von nahezu 1/3 zu entwickeln.“

Am 19. August wurde bei einem Gespräch auf Einladung des GRÜNEN Kreisverbandes in Werdum mit mehreren Milchbauern in sachlicher und konstruktiver Atmosphäre neben möglichen Verbesserungen der Agrarumweltmaßnahmen für ostfriesische Verhältnisse über die Existenzbedingungen der Betriebe nach Abschaffung der Milchquote gesprochen.

Die Abschaffung der Milchquote war eine Entscheidung auf EU-Ebene, die von vielen befürwortet und teilweise sogar als „Entfaltung des freien Marktes“ herbeigesehnt wurde. Heute sind nun alle geschockt über den Preisverfall und die herrschenden Marktbedingungen sind. Der Niedersächsische Landwirtschaftsminister und der Bund der Milchviehhalter (BDM) hatten genau vor diesen Entwicklungen frühzeitig gewarnt. Nun muss man schauen, wie mittel- und langfristig die (ostfriesischen) Milchbauern ihre Existenz sichern können. Das von CDU und FDP lange Jahre geförderte „Wachsen und Weichen“ (zynische Umschreibung für Höfesterben) und damit die weitere Entwicklung weg von bäuerlicher Landwirtschaft hin zu Agrarindustrie sind keine Alternative. Genauso wenig wie aktuell von Gitta Connemann und CDU geforderte verstärkte Export auf Kosten von Krisenregionen und Entwicklungsländern. Schon jetzt ist es genau der Exportanteil von 8% der EU-Milchproduktion, der das Preisniveau drückt.

Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer kann weder den Milchpreis anheben noch hat er direkten Einfluss auf den regionalen oder globalen Milchmarkt, die Preispolitik der Lebensmitteldiscounter und Molkereien geschweige denn das Nachfrageverhalten der Verbraucher. Er hat aber als Soforthilfe für die niedersächsischen Landwirte vorgeschlagen, dass die 309 Mio. Euro, die deutsche Milchbauern zu Zeiten der Milchquote an die EU als Strafzahlungen für Überproduktion leisten mussten, nun an die Milchbauern als „Notüberbrückung“ ausgezahlt werden, um so die Ausfälle bei der aktuellen Preispolitik zumindest etwas aufzufangen.

Hier wäre es besonders für unsere kleineren und mittleren ostfriesischen Landwirte hilfreich, wenn neben unserem Landwirtschaftsminister auch das Landvolk diese Forderung an den Bundeslandwirtschaftsminister unterstützen könnte, damit dieser sich gegenüber der EU für eine Unterstützung unserer Landwirte einsetzt.

Darüber hinaus unterstützt die aktuelle rot-grüne Landesregierung die Bildung einer Erzeugergemeinschaft, damit die Milchbauern nicht vereinzelt mit den Molkereien verhandeln müssen, sondern größer und stärker als Erzeugergemeinschaft auftreten können. Dass dies funktionieren kann, hatten die Krabbenfischer zuletzt erfolgreich gezeigt.

Ein weiterer Ansatz der Landesregierung ist es, das angeregte Weidemilchprogramm zu realisieren. Hier werden Michviehbetriebe, die Ihre Kühe nachweislich auf der Weide halten, zertifiziert und dadurch mindestens fünf Eurocent pro Liter mehr bekommen als erzeugte Milch aus Stallhaltung. Laut einer durch das Land Niedersachsen in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie durch die Universität Göttingen sind Konsumenten bereit, für nachweisliche Weidemilch fünf Eurocent pro Liter Milch mehr zu zahlen. Hier liegt es nun an den Molkereien, dieses Programm zu unterstützen und damit gerade den ostfriesischen Milchbauern, die noch wirkliche Weidehaltung praktizieren, eine Chance auf einen fairen und besseren Preis bieten.

Das alles ist noch keine vollumfängliche Lösung für das Problem des Preisverfalls, aber es ist das Beste, was auf Landesebene zeitnah überhaupt möglich ist. Das einzig langfristige und tragfähige Konzept zur Beseitigung der Milchbauernkrise hat bisher der BDM vorgelegt. Man kann daran vielleicht vieles das Konzept kritisieren und hinterfragen, aber es bisher leider das einzig vorliegende. www.bdm-verband.org. Christian Meyer bezeichnete es am 19.8. als sinnvoll.

Die immer wieder vom Landvolk beklagten und angeblichen vielen neuen Auflagen von LANDESSEITE betreffen die Milchviehbetriebe hier überhaupt nicht. Sollte der Strukturwandel aber sich fortsetzen, ist das wohl der Grund, warum viele Junglandwirte den Einstieg scheuen, weil kein Einkommen mehr erwirtschaftet wird oder sich der Betrieb in der Wachstumseuphorie des Bauernverbandes schlicht übernommen hat.

Wir brauchen unsere Bauern. Sie sichern unsere Nahrungsmittelversorgung und können unsere ostfriesische Landschaft erhalten. Es wäre schön, wenn viel mehr Bauern und v.a. die Funktionäre statt den Großbauern und Agrarindustriellen das Wort zu reden, genauer schauen, wer ihre Interessen, also die der kleinen und mittleren Bauern vertritt.“

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